Inflation – Ursachen, Arten und Folgen
Was ist Inflation? - Die Definition\
Inflation beschreibt einen anhaltenden Anstieg des allgemeinen Preisniveaus von Gütern und Dienstleistungen, was zu einer schrittweisen Reduktion der Kaufkraft führt. Mit anderen Worten: Verbraucher erhalten für den gleichen Betrag weniger als zuvor. Dieses Phänomen kann sichtbar (offene Inflation) sein, wenn sich die Preise erhöhen, oder verborgen (verdeckte Inflation), wenn die Qualität von Produkten und Dienstleistungen abnimmt, ohne dass die Preise sinken. Ein gemässigter Anstieg der Preise ist eine gewünschte Erscheinung in der Wirtschaft, das Inflationszielband der Schweizerischen Nationalbank SNB liegt bei 0-2% (https://www.snb.ch/de/the-snb/mandates-goals/monetary-policy/strategy). Eine anhaltend hohe Inflation führt hingegen zu Problemen, weil damit die Preisstabilität verloren geht.
Was ist der Unterschied zwischen Inflation und Deflation?
Während die Inflation die Kaufkraft verringert, beschreibt Deflation den entgegengesetzten Effekt: Preise sinken über einen längeren Zeitraum, was zu einer Steigerung des Geldwerts führt. Verbraucher können sich für denselben Betrag mehr leisten. Das führt dazu, dass Käufe und Investitionen aufgeschoben werden, weil die Verbraucherinnen auf weitere Preissenkungen warten, was die Nachfrage verringert und den Preiszerfall verstärkt.Aufgrund sinkender Gewinnerwartungen schieben Unternehmen ausserdem Investitionen auf. Daraus kann eine Deflationsspirale resultieren, die zu einer sich selbst verstärkenden wirtschaftlichen Abwärtsspirale führt, die schwer zu durchbrechen ist und in eine tiefe Rezession oder Depression münden kann.
Wie entsteht Inflation?
Die Ursachen für Inflation sind vielfältig. Einige der häufigsten Auslöser sind:
- Gestiegene Produktionskosten: Wenn beispielsweise die Preise für Rohstoffe oder Energie steigen, führen diese Kosten zu höheren Endverbraucherpreisen, was als Kosteninflation bezeichnet wird.
- Nachfragebedingte Inflation: Steigt die Nachfrage nach bestimmten Gütern, ohne dass das Angebot entsprechend erhöht wird, steigen die Preise. Dies kann beispielsweise durch eine Lockerung der Geldpolitik der Schweizerischen Nationalbank (SNB) entstehen, wenn sie Geld zur Stimulierung der Wirtschaft bereitstellt. Dieser Effekt wird besonders stark, wenn der Staat seine Ausgaben zur Wirtschaftsförderung ebenfalls massiv erhöht.
- Angebotsbedingte Inflation: Hierbei führen Einschränkungen in der Lieferkette oder Rohstoffknappheit zu höheren Preisen. Diese Form der Inflation ist oft temporär, kann jedoch länger andauern, wenn die Probleme nicht gelöst werden.
Was ist Hyperinflation?
Hyperinflation ist eine extreme Form der Inflation, bei der die Preissteigerungen rasant und regelmässig erfolgen. Es gibt keine allgemeingültige, jedoch eine weitverbreitete Definition von Phillip D. Cagan (1956), wonach man von Hyperinflation spricht, wenn die Inflationsrate 50 % oder mehr pro Monat beträgt. Verbraucher verlieren schnell das Vertrauen in die Währung und investieren ihr Geld lieber in Sachwerte wie Immobilien oder Edelmetalle, um ihre Ersparnisse zu schützen. Eine Hyperinflation kann die Wirtschaft stark destabilisieren und soziale Unruhen auslösen.
Wie wirkt sich die Inflation aus?
Vorteile der Inflation
Inflation kann für bestimmte Gruppen auch positive Effekte haben. Dazu gehören:
- Schuldner: Ihre Schulden verlieren an realem Wert, da die Rückzahlung inflationsbedingt "günstiger" wird.
- Staat: Der Wert der Staatsschulden verringert sich mit steigender Inflation, sofern die Inflationsrate über dem Zinssatz für die Schulden liegt.
- Konsumstimmung: Eine leichte Inflation führt dazu, dass die Menschen positiv zum Ausgeben des Geldes oder zu Investitionen stehen.
Nachteile der Inflation
Gleichzeitig gibt es viele, die durch Inflation Nachteile erfahren, insbesondere:
- Arbeitnehmer, Rentner und Sparer: Die Kaufkraft sinkt, da Einkommen und Ersparnisse weniger wert sind. Dies betrifft besonders Rentner mit festen Einkommen.
- Unternehmen: Steigende Produktions- und Lohnkosten erhöhen den Kostendruck, den Unternehmen oft durch höhere Produktpreise ausgleichen. Banken können in unsicheren Zeiten ausserdem zögerlich sein, Kredite zu vergeben, wodurch Investitionen stagnieren können.
Wichtige Indikatoren: HVPI und LIK
Zur Messung der Inflation und zur Bewertung des allgemeinen Preisniveaus dienen bestimmte Indizes. In der Schweiz misst das Bundesamt für Statistik (BFS) die Verbraucherpreise mit dem Landesindex der Konsumentenpreise (LIK). International nutzen die Länder der EU und der EFTA den Harmonisierten Verbraucherpreisindex (HVPI), um die Preisentwicklung in verschiedenen Ländern zu vergleichen.
So betrug der LIK in der Schweiz beispielsweise im April 2023 106,0 Punkte, was einem Anstieg von 2,6 % gegenüber dem Vorjahr entspricht. Ende 2023 zeigte der LIK eine Abnahme um 0,2 % im Vergleich zum Vormonat und lag bei 106,2 Punkten. Solche Schwankungen entstehen oft durch Faktoren wie saisonale Preisanpassungen, z. B. in der Hotellerie oder bei Auslandsreisen.
Ein fundiertes Verständnis von Inflation und ihren Auswirkungen kann helfen, wirtschaftliche Entscheidungen besser einzuschätzen und Vorsorgemassnahmen zu treffen, die sowohl kurzfristige als auch langfristige finanzielle Stabilität fördern.
Was bedeutet Inflation für den Immobilienwert?
Wenn Geld weniger Wert hat, steigt der Wert von Sachwerten. Immobilien gelten deshalb als sehr gute Absicherung gegen die Inflation, da Mietpreise und Immobilienwerte tendenziell mit der Inflation steigen. Bei bestehenden Krediten kann Inflation ausserdem vorteilhaft sein, da der reale Wert der Schulden sinkt.