Nachhaltiger Wohnraum bis 2050: Interview mit Dr. Johannes Gantner

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Nachhaltiger Wohnraum bis 2050: Interview mit Dr. Johannes Gantner

AUTHOR

Manuel Inauen

DATUM

March 17, 2025

Dr. Johannes Gantner ist seit dem 1. Januar 2023 Partner und Mitglied der Geschäftsleitung der pom+Consulting AG. In seiner Rolle leitet er den Bereich Sustainability & Performance in der Schweiz und ist auf die nachhaltige Zertifizierung von Immobilien spezialisiert. Seit seinem Eintritt bei pom+ im Jahr 2018 hat er das Beratungsangebot im Bereich Nachhaltigkeit massgeblich geprägt und verantwortet. Vor seiner Tätigkeit bei pom+ studierte Dr. Gantner Architektur und absolvierte einen Master of Science in Sustainable Energy Competence an der Hochschule für Technik Stuttgart. Anschliessend promovierte er an der Universität Stuttgart in Bau- und Umweltwissenschaften. Mit seinem umfassenden Fachwissen und Engagement treibt er die nachhaltige Entwicklung der Immobilienbranche voran.

Wie verändert sich die Nachfrage nach Wohnraum bis 2050?

Dr. Johannes Gantner: Besonders das altersgerechte Wohnen wird an Bedeutung gewinnen, da die Bevölkerung immer älter wird. Auch kleinere Wohneinheiten, Singlewohnungen und energieeffiziente Gebäude werden stark gefragt sein. Langfristig sehen wir in Wachstumsregionen wie Zürich oder Basel weiterhin eine hohe Nachfrage, während kleinere Gemeinden weniger stark wachsen werden. Die Nachfrage ist urban.

Wo liegt das grösste Potenzial für Nachverdichtung?

Dr. Johannes Gantner: Nachverdichtung könnte durch Aufstockungen um zwei bis drei Stockwerke erheblich mehr Wohnraum schaffen. Das Problem sind aber nicht Infrastruktur oder Statik – das könnte man technisch lösen. Grössere Probleme stellen die regulatorischen Anforderungen und eine ablehnende Haltung der Bevölkerung dar. Verdichtung wird an der Urne gewünscht, es herrscht aber eine „not in my backyard“-Mentalität.

Welche Rolle spielt der modulare Wohnbau für die Zukunft?

Dr. Johannes Gantner: Serielle und modulare Bauweisen ermöglichen eine schnellere und günstigere Umsetzung, da sie industriell vorgefertigt und flexibel anpassbar sind. In Zürich sehen wir das zum Beispiel beim Schulbau: Anstatt jedes Gebäude als Unikat zu planen, setzt man auf modulare Konzepte, die später sogar wiederverwendet werden können.

Als ich noch am Fraunhofer Institut geforscht habe, hatte die modulare Bauweise bereits einen Kostenvorteil. Hier wird sich in Zukunft noch viel realisieren lassen.

Wie können wir verhindern, dass wohnen immer teurer wird?

Dr. Johannes Gantner: Wir können Kosten senken, indem wir Bauprozesse effizienter machen und Bürokratie abbauen. Heute dauert es oft Jahre, bis ein Projekt durch alle Bewilligungsverfahren kommt – diese Verzögerungen treiben die Kosten in die Höhe. Auch regulatorische Vorgaben wie überdimensionierte Heizungsanlagen oder extreme Ertüchtigungsvorschriften bei Sanierungsprojekten verteuern den Wohnraum.

Welche Bauweisen und Materialien werden sich langfristig durchsetzen?

Dr. Johannes Gantner: Ich glaube, dass der serielle Holzbau weiter an Bedeutung gewinnen wird, da er bereits stark vorgefertigt ist und eine hohe CO₂-Speicherung ermöglicht. Gleichzeitig gibt es aber auch Innovationen bei Beton, etwa CO₂-bindender Beton oder neue Bewehrungstechniken, die weniger Material benötigen. Am Ende wird es eine Hybridlösung sein – Beton, wo er nötig ist, kombiniert mit leichten, nachhaltigen Baustoffen für andere Gebäudeteile. Die Zukunft wird aus mehr als nur einem Material gebaut.

Haben wir noch eine Chance, die Nachfrage nach Wohnraum bei gleichbleibendem Bevölkerungswachstum zu decken?

Dr. Johannes Gantner: Es wird nicht einfach, aber wir haben das Potenzial, es zu schaffen. Die Schweiz muss sich allerdings darauf einstellen, dass sich nicht nur die Art zu bauen, sondern auch die Art zu wohnen ändern wird. Weniger Quadratmeter pro Person, mehr gemeinschaftliche Wohnprojekte und smarter genutzte Flächen sind wohl unumgänglich.

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